Philosophie

Das formlose SELBST, das weder Tendenzen noch Nicht-Tendenzen kennt, braucht nichts aufzugeben, um zu sein, was es ist.

Du bist das formlose Selbst und bist bereits, bevor der Traum des Lebens beginnt. Die Erkenntnis des Traumes ist gleichzeitig die Erkenntnis von dir selbst als die Grundlage von Sein und Nicht-Sein.

 

Reines Gewahrsein als erste Erscheinung im absoluten Selbst lässt dich den Traum des Lebens erleben, ohne davon berührt zu sein. Erst die Identifizierung mit einem phänomenalen (der Erscheinung zugehörenden) "TUer" (von "to do"), der bestimmte Ideen wie "Erwacht sein" und "nicht erwacht sein", heilig und unheilig, Zweiheit und Einheit hervorbringt, lässt eine Geschichte im Ver-stand entstehen, die sich letztendlich als Gefängnis und als Leid erweist. Nichtwissend von der Fatamorgana (Traum), indem sich das phänomenale ICH als Teil der Fatamorgana befindet, strebt es nach Glück im Unglück, nach Freiheit in der Gebundenheit, nach Körperlosigkeit im Körper, nach Unendlichkeit in der Begrenztheit.

 

Die Identifizierung mit einem phänomenalen ICH (Nicht-Selbst) erschafft begrenzende Vorstellungen über das Leben und sich selbst und damit falsche Erkenntnisse und Sichtweisen. Das Ziel jeglicher Selbst-Ergründung kann nur das Beseitigen der Schleier der falschen Erkenntnisse (Unwissenheit über den Traum) sein. Wenn der Schleier verschwindet, bleibt das formlose SELBST zurück, DAS, was immer ist, vor dem Schleier, während des Schleiers und nach dem Schleier.

 

DAS, was ist, wodurch das ganze Universum ist, ist gleichzeitig der "Beweger" des Universums und das Universum selbst.

Alles ist bereits da, nichts kann hinzugefügt oder weggenommen werden - die SOHEIT des absoluten Lebens!


Advaita - eine radikale Lehre

Sri Ramana Maharshi, der wohl bekannteste Advaita Lehrer Indiens,hat eine Metapher benutzt, die die ganze Radikalität dieser Lehre zum Ausdruck bringt. Das Leben ist wie ein Film, so seine Metapher, der auf die Leinwand des SELBST projiziert wird.

Bevor der Film beginnt ist nur die Leinwand. Auf dieser Leinwand wird der ganze Film gesehen und die Zuseher erleben die Bilder als wirklich. In dem Moment, wo du hingehst und die Bilder fassen möchtest, kannst du nur die Leinwand fassen, auf der die Bilder erscheinen. Die Leinwand ist auch dasjenige, was bleibt, wenn der Film zu Ende ist. Sie wird weder von darauf fließenden Flüssen naß, noch von Feuer verbrannt.

 

Im Bezug auf das alltägliche Leben erscheinen unterschiedliche Bilder auf der Leinwand des SELBST, von Zorn bis Traurigkeit, von Lust bis Leid. Der unbewußte Mensch wird durch die Bilder getäuscht und glaubt, dies sei Wirklichkeit und verliert sich in Bewertungen und Emotionen mit einem selbst erschaffenen, separierten Ich. Bleibt die Aufmerksamkeit nur auf den Bildern, bleibt die Unbewußtheit bestehen.

 

Der Irrtum, der dabei weiterhin wirkt ist, daß es eine eigenständige, getrennte Persönlichkeit gibt, die als Täter oder Opfer im laufenden Film erscheint und der Hauptdarsteller der scheinbaren Geschichte des Films ist.

Die Wahrheit ist, daß es weder Täter noch Opfer gibt, sondern nur das "Absolute Bewusstsein" - das SELBST - indem alles, wie der Film auf der Leinwand, stattfindet und jede erfundene Person nur ein Bild, eine Projektion vom ursprünglichen Bewusstsein ist und Teil des Films.

 

Jede ausgeführte Aufarbeitung erscheinender Situationen, Beziehungen, Emotionen und der Persönlichkeit führt zu einer Vertiefung des Glaubens an die imaginäre Persönlichkeit und damit an „Getrenntheit“ und verstärken und verdichten die Phänomene, die in Wirklichkeit nur die Erscheinungen auf der Leinwand sind und nicht die Leinwand selbst.

 

Das SELBST hinter allen Phänomenen zu erkennen ist grundsätzlich das Ziel der Lehre von Advaita. Die Radikalität liegt darin, nur mehr die Wirklichkeit als Wirklichkeit anzuerkennen und nicht das Phänomenale.

 

Die Schleier, die über dem Selbst liegen und die Phänomene als Wirklichkeit erscheinen lassen, bestehen aus Ängsten und Wünschen, die in der Trägheit und Ruhelosigkeit des Geistes wurzeln.

 

Selbstergründung ist eine wirkungsvolle Methode, die Schleier zu lüften - in dem angeführten Beispiel - die Leinwand trotz der Bilder als Leinwand zu erkennen.

 

Selbstergründung ist die Suche nach der Quelle selbst, wobei das Objekt der Hinterfragung immer das "Ego-Ich" ist und in die Tiefe des Seins führt, zur Quelle allem Existierenden. Diese Quelle - das Selbst - ist die einzige Wirklichkeit und das wahre Wesen unseres Geistes. Advaita - nicht Zwei! In der Selbstergründung wird darauf geachtet, daß sich der Geist nach Innen wendet und nicht nach Außen, um sich nicht in Mindgames zu verlieren.

 

Die einzige Möglichkeit herauszufinden, wie es ist, im SELBST gegründet zu sein, ist, ES zu SEIN! Nachdem jeder Mensch das SELBST IST, was soll also das Hindernis sein, ES zu SEIN?

 

Der erste Schritt für das Leben dieser radikalen Lehre kann sein, einen Lehrer zu wählen. Ein Lehrer kann den Menschen aus seiner Egohaftigkeit des Intellekts und den dualen Sinneswahrnehmungen herausführen. Es gibt nur wenige, die eine Ausnahme bilden, die es alleine geschafft haben, und die stammen meist aus Indien.

 

Satsang, eine weitere Möglichkeit, die Schleier zu lüften, bedeutet „Verbindung mit dem SEIN“. Im Satsang geschieht keine emotionale oder mentale Aufarbeitung bestimmter Themen der Teilnehmer, sondern ein direkter Hinweis des Satsang-Lehrers auf das Selbst. Dies kann durch Stille geschehen oder auch im Dialog. Die Schleier lüften sich und was bleibt ist das allumfassende Selbst als einzige Wirklichkeit.

 

Sei, was Du bist!